Der Fremde, mein Freund?! #willkommenskultur


Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. Hebräer 13,2

Ich habe sehr gerne Besuch. Unsere Gäste sind meisten Menschen, die uns nahe stehen – mit denen wir freundschaftlich verbunden sind.

Das griechische Wort für Gastfreundschaft lautet Philoxenia. Es bedeutet wörtlich die Liebe zum Fremden. Wenn also der Autor des Hebräerbriefes uns ermahnt, die Gastfreundschaft nicht zu vergessen, denkt er nicht daran, dass wir unsere Freunde wieder einmal einladen sollten. Gastfreundschaft gilt den Fremden. Ihnen sollen wir mit Liebe und Freundschaft begegnen.

Fremde Menschen sind uns zuerst einmal einfach fremd. Wir sind in den letzten Monaten mit einer Familie aus Syrien näher unterwegs gewesen. Vieles was ich bei dieser Familie beobachtete war mir fremd. So ass die Familie zum Beispiel erst um 15.00 Uhr ihr Mittagessen.

Wie reagiere ich auf das Fremde? Meine erste Reaktion ist oft Befremden. Auch im Unterwegssein mit der Familie aus Syrien dachte ich oft: „So kann man doch nicht …“ Der Hebräerbrief ermutigt uns zu einer anderen Reaktion: Wir sollen Fremde willkommen heissen und sie beherbergen. Gastfreundschaft ist ein Akt der Liebe zum Fremden. Im empfehlenswerten Buch „Hereinspaziert! Willkommenskultur und Evangelisation“ von Johannes Reimer, sind drei Gesetze von Gastfreundschaft beschreiben (2013:125f):

  1. Der Gast ist willkommen, weil er Gast ist. Gastfreundschaft kennt keine vorkonditionierte Selektion der Gäste. […] Gastfreundschaft nimmt den Gast auf, weist ihm einen Ehrenplatz zu, übernimmt jedoch nicht die Meinung und Einstellung des anderen, wenn sie dem Gastgeber unwürdig erscheint. Gastfreundschaft darf nicht mit blinder Toleranz gleichgesetzt werden.
  2. Der Gast hat ein Recht auf Unterbringung und Verpflegung. Für nichts soll der Gastgeber mehr sorgen als für ein Dach über dem Kopf und eine warme Mahlzeit. […] Freilich verlangt das Gesetz der Gastfreundschaft auch, dass der Gast die Zuwendung seiner Gastgeber nicht ausnutzt.
  3. Der Gast steht immer unter dem Schutz Gottes selbst. Gastfreundschaft ist demnach nicht nur eine kulturelle Erscheinung. Sie hat bewusst spirituelle Züge. Gott ist es, der seine Hand über den Gast und das gastfrei Haus hält. Er segnet den Vorgang.

Wenn wir Gastfreundschaft gewähren, werden wir selbst davon gesegnet. Dies habe ich im Unterwegssein mit der asylsuchenden Familie erlebt. Beispielsweise habe ich viel über Gastfreundschaft gelernt. Durch die Familie die nur ein paar Wochen in unserem Dorf wohnte, lernte ich Menschen kennen, die schon lange im Dorf leben. Weil sie von der syrischen Familie eingeladen wurden.

Heissen wir die Fremden bei uns willkommen und begegnen ihnen mit Freundschaft. Willkommenskultur ist kein Schimpfwort – sondern kommt wohl sehr nahe an das, was die Bibel mit Gastfreundschaft meint.

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