Die Brille der Gnade


Im Moment beschäftigt mich das Leben von Abraham. Ich habe letzte Woche in einer Predigt dabei auch über Lot gesprochen. Folgende Verse aus dem 2. Petrusbrief sind mir aufgefallen:

Auch die Städte Sodom und Gomorra hat er eingeäschert und zum Untergang verurteilt, als ein Beispiel für alle Gottlosen in späteren Zeiten. Den gerechten Lot aber, der unter dem ausschweifenden Leben der Gottesverächter litt, hat er gerettet; denn dieser Gerechte, der mitten unter ihnen wohnte, musste Tag für Tag ihr gesetzwidriges Tun sehen und hören, und das quälte den gerechten Mann Tag für Tag.
(2. Petrus 2, 6 -8 Ehu)

Kennt Petrus denselben Lot, wie er im 1. Buch Mose geschildert wird?
Den Lot, der nur als Mitläufer mit Abraham mitging?
Den Lot, der Abraham selbstsüchtig die besten Weiden wegnahm?
Den Lot, der seine Töchter ohne Skrupel den Männern von Sodom opfern wollte?
Den Lot, der nur mit viel Drängen Sodom verliess?
Und den Lot, der im Suff mit seinen Töchtern Kinder zeugte?
Dieser soll ein Gerechter sein?

Wenn im Neuen Testament die Menschen vom Alten Bund erwähnt werden, so fällt mir auf, dass diese meist von ihrem positiven Seiten gezeigt werden. Auch von Abraham berichtet das Neue Testament nicht von seinen Niederlagen und seinem Kleinglauben (davon hätte es auch zu berichten gegeben), sondern von ihm als das Vorbild des Glaubens.

Ist dies so, weil die Juden ihre Geschichte durch eine verklärte rosarote Brille betrachteten und das Negative verdrängten? Ich glaube nicht. Vielmehr ist es die Brille der Gnade. Abraham ist ja nicht der Vater aller Glaubenden aus Werken, sondern aus Gnade. Gott sieht auf diese Menschen mit der Brille der Gnade.

Ein Bild für diese Brille ist das, was im Judentum am grossen Versöhnungstag geschah. Für die Sünden des Volkes wurden ein Ziegenbock und ein Jungstier geopfert und das Blut dieser Opfer wurde vom Hohenpriester auf die Deckenplatte des Allerheiligsten gesprizt (3. Mose 16). Im Allerheiligsten wurden die Steintafeln mit den 10. Geboten aufbewahrt. Gott sah dann nur durch das versöhnenden Blut auf die Gebote. Das Blut war zwischen Gott und dem Gesetz

Jesus starb für uns. Wenn wir an ihn glauben, dann sieht uns Gott auch mit dieser Brille der Gnade an. Dann sind wir für Gott nicht mehr die Menschen, die immer wieder versagen, sondern genau wie Abraham und Lot Gerechte. Gott beurteilt uns Menschen nicht mehr nach unseren Fehlern und Werken, sondern nach unserem Glauben an Jesus.

Mit welcher Brille betrachte ich Andere? Halte ich ihnen alles vor was sie falsch machen? Oder versuche ich die Menschen in den Augen Gottes durch die Brille der Gnade zu betrachten?

2 Gedanken zu “Die Brille der Gnade

  1. Genauso ist es! Sara wird trotz Riesenlacher in Gen im Hebräer angeschaut als Frau von grossem Glauben! Genauso sieht Gott uns auch – Halleluja! Danke für deine immer wieder inspirierenden Posts 😉 LG
    P.S. Drucker läuft perfekt!

    1. Ja Sara ist ein ganz gutes Beispiel. Wenn ich im Alten Testament über sie lese, wäre mein Urteil wohl nicht ganz so gut wie das im Hebräerbrief.

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