Die 10: Lass Gott Gott sein!


Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.

So lautete das zweite Gebot in der Einheitsübersetzung (2 Mo 20, 4 – 6). Das Bilderverbot ist eines der umstrittensten Gebot. Nach katholischer und lutherischer Zählweise ist es gar kein eigenes Gebot sondern gehört noch zum ersten Gebot. Die jüdische Zahlung wiederum fasst das reformierte 1. + 2. Gebot zusammen.

Wenn wir die Erläuterung dieses Gebots lesen, sehen wir dass es sehr eng mit dem 1. Gebot zusammenhängt. Auch beim zweiten Gebot geht es um falschen Gottesdienst. Während es im ersten Gebot darum geht, dass Gott keine Konkurrenz duldet und er unser einziger Gott sein will, geht es hier darum, dass wir Gott selbst nicht zu einem Götzen machen.

Dieses zweite Verbot verbietet es uns, Gott in ein Bild zu pressen. Gott unterscheidet sich von den anderen Göttern zur Zeit des Moses dadurch, dass er nicht sichtbar ist. Von Gott lässt sich keine Statue, kein geschnitztes Abbild machen. Er ist nicht fassbar durch unsere menschliche Vorstellungswelt. Gott will nicht, dass sein Volk hier andere Völker nachahmt und ihn durch eine Götzenskulptur (z.B. das golden Kalb aus 2 Mo 32) anbetet. Nichts was wir im Himmel oder auf der Erde sehen können, kann Gott wirklich abbilden.

Wir heute sind nicht so sehr in der Gefahr, Skulpturen oder Bilder von Gott anzubeten. Und doch: Auch wir ’schnitzen‘ uns unsere Gottesbilder. Wir pressen Gott in ein Schema und sagen so ist Gott. Auch unsere gedanklichen Gottesbilder sind von diesem Gebot betroffen. Denn auch diese Bilder machen Gott kleiner. Plötzlich haben wir nur noch einen ‚Automaten-Gott‘, der uns geben soll was wir brauchen oder einen guten alten ‚Opa-Gott‘ der nicht mehr ganz zurechnungsfähig ist. Viele solchen einseitigen Gottesbilder geistern in unseren Köpfen umher. Das zweite Gebot warnt uns davor, Gott kleiner zu machen als er ist.

Können wir also gar nichts über Gott sagen, wie es die negative Theologie vorgibt? Ich denke nicht. Dieses zweite Gebot will uns dazu aufmuntern Gott so zu lassen wie er ist. Gott will nicht in einem Bild, sondern in unserem Alltag wirken. Er ist zwar unsichtbar und doch in unserem Alltag erlebbar. Dazu kommt noch, dass Gott sich im Bild von Jesus Christus für uns sichtbar gemacht hat. Zwar lesen wir in der Bibel keine Beschreibung seines Aussehens aber viel über sein Wirken und sein Wesen.  Deshalb können wir durch die Bibel und besonders durch das Leben von Jesus ein Bild von Gott bekommen.

Das zweite Gebot fordert uns auf, Gott Gott sein zu lassen.

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