Unser Jahresmotto als Evangelisches Gemeinschaftswerk lautet: „Sein Reich komme – wie zu mir, so zu dir!“ Ich habe versucht, dieses Motto für mich greifbarer zu machen.
Sein
Chef im Reich Gottes bin nicht ich. Das Reich Gottes ist nicht mein Herrschaftsbereich, in dem ich zu bestimmen habe. Es ist für den Menschen nicht verfügbar. Das Reich Gottes kann weder mit einer bestimmten Kirche oder Denomination gleichgesetzt werden, noch ist es einfach die weltweite christliche Gemeinschaft aller Christen. Die Kirche ist Teil des Reich Gottes aber nicht an und für sich das Reich Gottes. Wenn wir also dafür beten, dass Gottes Reich kommen solle, dann in dem Wissen, dass es nicht einfach um unsere eigenen Vorstellungen davon geht, sondern darum, dass Gottes Wille geschehe. Die beiden Bitten: „Dein Reich komme“ und „Dein Wille geschehe“, gehören zusammen.
Reich
Reich heisst eigentlich wörtlich Königreich. Es geht um das Königreich Gottes. Als Schöpfer ist Gott König (Ps 95, 3 -5). Gott setzt seine Herrschaft aber nicht gegen den Willen seiner Schöpfung durch. Wir leben in einer gefallenen Welt unter der Herrschaft der Sünde. Durch Jesus ist ein Herrschaftswechsel möglich. Vom Reich der Sünde ins Reich Gottes. Was das Königreich Gottes meint, darüber gibt es verschiedene Meinungen:
- Die liberale Theologie sieht im Reich Gottes das Reich der wahren Mitmenschlichkeit. Soziales und politische Engagement sind Werkzeuge um das Reich Gottes voranzutreiben. Frieden und Gerechtigkeit sind zwei Begriffe, die im Alten- und Neuen Testament mit dem Reich Gottes verbunden sind.
- Die konservative evangelikale Sichtweise bezieht das Reich Gottes auf die persönliche Umkehr und die Heiligung. Evangelisation ist hier das Werkzeug um das Reich Gottes voranzutreiben. Der Ruf zur Umkehr an den Einzelnen sehen wir bei Johannes dem Täufer und bei Jesus.
- Die charismatische Sichtweise sieht im Reich Gottes stark die Heilungen und Wunder, die im Reich Gottes möglich sind. Heilungsgebet und Wunder sind Werkzeuge, um das Reich Gottes in diese Welt zu tragen. Gerade bei Jesus sehen wir, dass seine Wunder immer wieder als Zeichen des Reiches Gottes gesehen werden.
Alle drei Positionen erkennen Teilbereich des Reich Gottes. Das Reich Gottes ist alles zusammen. Mit unseren Gebeten, aber auch mit sozialpolitischem Engagement, mit Evangelisation und Heilungsgebeten bringen wir das Reich Gottes zu den Menschen. Es geht also nicht darum, wer recht hat, sondern um eine gesunde Balance zwischen diesen Positionen.
komme
Das Reich Gottes ist eine Bewegung. Es kommt zu uns. Die Initiative im Reich Gottes geht von Gott aus. Er ist es, der immer wieder die Initiative ergriffen hat, das Reich Gottes auf der Welt zu realisieren. Das „komme“ drückt auch die Spannung aus, in der wir stehen. In der Bibel gibt es sowohl aussagen, die betonen, dass das Reich Gottes mit Jesus schon mitten unter den Menschen ist, als auch Aussagen, die betonen, dass das Reich erst noch kommt. Es ist die Spannung zwischen dem „noch nicht“ und dem „schon jetzt“. Diese Spannung darf nicht aufgelöst werden.
- Auf der einen Seite stehen wir sonst in der Gefahr der Verdiesseitigung des Reiches. Es gibt keine Hoffnung auf eine Jenseits. Das Reich Gottes wird auf ein Reich der Mitmenschlichkeit reduziert. Trost und Hoffnung findet der Mensch alleine in der heutigen Zeit.
- Andererseits stehen wir in der Gefahr einer Verjenseitigung des Reiches Gottes. Das Reich Gottes wird nur als zukünftige Grösse gesehen. Für das heute ist einzig wichtig, dass ich die Gewissheit habe zu den Geretteten zu gehören. Hoffnung und Trost gibt es nur in Gedanken an das kommende Reich.
wie zu mir, so zu dir!
Dies tönt ja im ersten Hören ein wenig schief. So nach dem Motto „Ich und der Esel voran“. Aber es ist doch so. Die Umkehr vom Reich der Sünde unter die Herrschaft Gottes muss zuerst bei mir geschehen. Ich kann nur dann Botschafter dieses Reiches werden, wenn ich Bürger des Reich Gottes bin.
Das Reich Gottes will kein Geheimbund sein, sondern wer Teil dieses Reiches ist, der ist aufgefordert Zeuge zu sein und den Menschen den Weg ins Reich Gottes aufzuzeigen. Wer im Reich Gottes lebt, ist auch aufgefordert, nach den Werten dieses Reiches zu leben. Soziales und politisches Engagement für eine Welt mit mehr Gerechtigkeit und Frieden gehören dazu.
Gefällt mir:
Sei der Erste, dem dieser post gefällt.