Was ist die Wirklichkeit?

April 7, 2009

Folgende Aussage von Jürgen Moltmann hat mich beeindruckt. (Quelle: Interview von chrismon.de)

Die Wirklichkeit besteht ja immer aus Realität und Möglichkeit. Die Realität ist verwirklichte Möglichkeit. Deshalb greift ein Realismus, der nur auf die verwirklichte Möglichkeit sieht, zu kurz. Der herkömmliche Realismus lehrt uns, die Wirklichkeit so zu nehmen, wie sie ist. Die Hoffnung jedoch lehrt uns, die Wirklichkeit so zu nehmen, wie sie möglich ist und werden kann. Das heißt, in der Hoffnung wird unsere Phantasie angeregt, unsere Möglichkeiten zu erkunden und unsere Chancen zu ergreifen. Der Realist hingegen geht an den Möglichkeiten, die er hat, vorbei, weil er sie nicht wahrnimmt. Ihm fehlt der Möglichkeitssinn.

Wie nehme ich die Wirklichkeit an? Wie sie ist oder wie sie möglich ist?


Wie hat Jesus Gemeinde gebaut?

März 31, 2009

Am Kongress “Die Zukunft gestalten” mit Michael Frost haben wir in einem Open-Space-Meeting über diese Frage diskutiert.

Bevor wir uns aber Gedanken darüber machen konnten, wie Jesus Gemeinde gegründet hat, mussten wir die Frage klären, ob Jesus überhaupt eine Gemeinde gründen wollte. Jesus spricht in Mt 16, 18 zu Petrus dass er auf ihm als Fels die Gemeinde bauen will. Diese Stelle zeigt also an, dass Jesus davon ausging, dass die Gemeinde entstehen wird.

Trotzdem ist es fraglich, ob davon gesprochen werden kann, dass Jesus die ekklesia gründete. Die Gemeinschaft die Jesus mit seinen Jüngern hatte, war eher eine Ausbildungszeit für die angehenden Leiter der Gemeinde. Jesus vermittelte den Jüngern die DNA einer Gemeinde.

Was aber ist die DNA der Gemeinde, die Jesus seinen Jüngern lehrte? Einige Gedanken dazu:

  • Jesus berief seine Jünger als Nachfolger. Immer wieder folgt der Ruf von Jesus ihm nachzufolgen. Zur Gemeinde gehört, wer immer wieder diesen Ruf von Jesus hört und ihm nachfolgt.
  • Die Jesus-Gemeinschaft war eine nomadische Gemeinschaft. Jesus zog mit seinen Jüngern umher.
  • Jesus war das Zentrum der Gemeinschaft mit den Jüngern. Er führt und geht voran. Die Jünger sind abhängig von ihrem Meister. Dieses Bild der Abhängigkeit von Jesus begegnet uns auch bei Paulus. Jesus ist das Haupt der Gemeinde. Er ist es, der Wachstum schenkt.
  • Jesus lehrte neue Werte des Reich Gottes. Er zeigte seinen Jüngern einen alternativen Lebensstil auf. Die Gemeinde ist eine Kontrastgesellschaft.
  • Jesus lebte eine dienende Leiterschaft und setzte Leiter für die Gemeinde ein. Sein Zwölferkreis wird die erste Gemeindeleitung. In der Gemeinde hat der Macht, der dient und nicht herrscht.

Freiheit und Verantwortung

März 24, 2009

Die Ursache für die Finanzkrise sieht Horst Köhler in seiner Berliner Rede von heute u.a darin, dass:

Wir erleben das Ergebnis fehlender Transparenz, Laxheit, unzureichender Aufsicht und von Risikoentscheidungen ohne persönliche Haftung. Wir erleben das Ergebnis von Freiheit ohne Verantwortung.

Diese Aussage hat mich gerade besonders angesprochen, weil das Jahresthema unseres Gemeindeverbandes “In Freiheit und Verantwortung vor Gott leben” lautet.


Die grössten Gefahren unser Zeit

Januar 27, 2009

William Booth hat einmal gesagt:

Die größte Gefahr des 20. Jahrhunderts wird
eine Religion ohne den Heiligen Geist,
ein Christentum ohne Christus,
eine Vergebung ohne Buße,
ein Heil ohne Wiedergeburt und
ein Himmel ohne Hölle sein.

Diese Gefahren sind auch bei uns im 21. Jahrhundert immer noch gross.


Allgemeines Priestertum in der Predigt

Januar 21, 2009

Hans-Martin Barth schreibt im Buch “Einander Priester sein” :

Die Predigt gelangt nicht zum Ziel, wo sie „ankommt“, sondern wo sie „weitergeht“. […] Die Predigt dient nicht nur einer – recht verstandenen – Erbauung des einzelnen, sondern sie dient der Erbauung der Gemeinde, und sie steht damit im Zusammenhang des kommenden Gottesreiches. [...] Er [der Christ] kann sich dann niemals als Endverbraucher der Verkündigung sehen, sondern er wird wissen, dass er die Verkündigung nur dann sachgemäss gebraucht, wenn er sie zugleich anderen zum heilsamen Gebrauch weitervermittelt. Liebe kann von niemandem wirklich empfangen worden sein, der nicht selbst ein Liebender wird.

(Hans-Martin Barth 1990:199)

Sehe ich mich in der Predigt als Endverbraucher oder gebe ich das gehörte anderen weiter?

Predige ich mit dem Ziel, dass die Predigt “ankommt” oder dass sie “weitergeht”?

Gelebtes allgemeines Priestertum gibt das empfangene weiter. Barth sagt, dass nur der wirklich Liebe empfangen hat, der auch davon weitergibt. Lasst uns das weitergeben, was wir empfangen haben!


Sein kommt vor Tun …

Januar 13, 2009

… war das Thema meiner letzten Predigt. Bei Interesse kann hier das Predigtskript heruntergeladen werden:

Predigt 4. Januar 2009


Gott zeigt den Weg aus der Finanzkrise!

Januar 7, 2009

Jeder von euch muss selbst entscheiden, wie viel er geben möchte. Gebt jedoch nicht widerwillig oder unter Zwang, denn Gott liebt den Menschen, der gerne gibt. Er wird euch großzügig mit allem versorgen, was ihr braucht. Ihr werdet haben, was ihr braucht, und ihr werdet sogar noch etwas übrig behalten, das ihr mit anderen teilen könnt.
(2. Korinther 9, 7-8)

Wer am Geld hängt, wird davon nie genug kriegen, und wer den Wohlstand liebt, wird immer von der Gier nach mehr getrieben werden. (Prediger 5, 9)

Vielleicht ist der Titel  ein wenig provokativ. Aber ich bin überzeugt, dass wir (und die Topmanger) viel von der Bibel im Umgang mit Geld lernen können. Einige Punkte sind:

  1. Genügsamkeit: Zufrieden sein mit dem was man hat. Nicht immer nach mehr streben!
  2. Grosszügigkeit: Wer freudig anderen gibt, nimmt die Verantwortung war, die uns das Geld gibt und wird dafür von Gott belohnt. Falls du das nicht glaubst -> Stell Gott auf die Probe und versuch es einmal. Gott verspricht dir, dass du sogar noch etwas übrig behalten wirst, wenn du freudig gibst.
  3. Geld kann niemals Sicherheit geben! Nicht Geld ist deine Sicherheit sondern Gott. Es gab Zeiten in denen wir das in der Schweiz noch begriffen haben. Denn auf dem Fünfliber steht: Dominus providebit: Gott sorgt vor!

Umgang mit Geld: Lügen die wir glauben?!

Januar 6, 2009
  1. Geld hat nichts mit meinem Glauben zu tun!
    Jesus spricht unglaublich oft vom Geld. Mehr als vom Himmel, Gebet, etc. Habgier ist die am meisten genannte Sünde im Neuen Testament!
  2. Geld macht glücklich! und: Je mehr desto besser!
    Wenn wir die Reichen unserer Zeit ein wenig beobachten, macht Reichtum nicht glücklich. Dennoch streben wir alle danach.
  3. 10 % meines Geldes gehören Gott; die anderen 90 % mir!
    Nirgends im Neuen Testament wird der sogenannte Zehnte wiederholt. Paulus fordert die Heidenchristen nirgends auf den Zehnten zu geben. Vielmehr gehört alles Gott. Wir sind als Verwalter eingesetzt. Anstatt des Zehnten sagt Paulus (2 Kor 9, 7): Gib Geld nicht aus Zwang und unfreiwillig. Gott liebt den fröhlichen Geber!
  4. Gott will mir meinen Besitz wegnehmen!
    Vorhin sagte ich: Alles gehört Gott! Trotzdem will Gott uns unseren Besitz nicht wegnehmen. Gott schützt sogar deinen Besitz. In den 10. Geboten sind zwei Gebote (nicht stehlen; nicht begehren deines nächsten Hab und Gut) zum Schutz des Besitzes. Auch im NT wurde niemand gezwungen alles zu geben.

Kannst du Gott vergeben?

Dezember 22, 2008

Margrit Erni erzählt im Buch “Leid als Chance” folgendes:

„Eine chassidische Geschichte erzählt von einem armen Schneider, der am Vorabend des grossen Versöhnungstages auch mit Gott ins Reine kommen wollte. Während die Familie sich zur Mahlzeit vor dem grossen Fasten versammelt, holt er ein dickes Buch aus dem Schrank. Er will dem Herrn der Welt daraus vorlesen, wann ER ihn im Laufe des Jahres (angeblich) im Stich gelassen habe. Da wird Heller und Pfennig abgerechnet: all die Unbill, all der Hunger und Ärger, all der Schmerz und Verlust, die dem armen Mann widerfahren sind, werden dem Schöpfer vorgehalten. – Und nun erklärt der arme Schneider, dass er Gott vergeben wolle, und bittet Ihn, auch ihm zu vergeben, wenn er in Tat und Wort oder in Gedanken gegen ihn gesündigt habe.”

Dieser Jude soll uns ein Vorbild sein. Er bringt den Mut auf, Gott alles zu sagen, was in enttäuschte und mit ihm abzurechnen. Aber er ist bereit, seine Enttäuschung zu verlassen und Gott(!) zu vergeben. Kannst du Gott vergeben oder trägst du deine Enttäuschung, dein Leid mit dir rum?

Auch der zweite Schritt, Gott um Vergebung zu bitten ist wichtig und hilft in Freiheit zu leben.


Leben auf Pump

Dezember 17, 2008

Heutzutage kaufen viele Leute mit dem Geld, das sie nicht haben, Sachen, die sie nicht brauchen, um damit Leuten zu imponieren, die sie nicht mögen. (Ernst Bloch)